Decolonial Flânerie #4


Relating Histories - Becoming Neighbors
around AW Amo Street


A public city walk
organized by Amo Collective Berlin

When: Friday, 8.9.2023, 17:00 - 19:00

Start: Anton Wilhelm Amo-Salon, c/o Institute for European Ethnology
AW Amo-Strasse 40, 10117 Berlin


Beneath the asphalt of Berlin-Mitte lie hidden historical layers and untold stories. The deeper we dig, the more cracked the dominant, uniform surface becomes. Taking a closer look, we begin to notice the traces of social struggles for freedom, refuge, emancipation, recognition, and participation. These struggles have moved people around Anton Wilhelm Amo-Straße since the Enlightenment and the colonial modern, through the crimes of the Nazi regime and the Holocaust, up to the post-colonial present after the 'Cold War'.

How can the decolonial futures be reinvigorated from the perspective of the past and these ongoing struggles? What happens when we recognize them not as disconnected, separate time capsules but as breathing experiences that intersect in our present? Can we become neighbors and imagine neighborhoods between histories, struggles and experiences?

Decolonial Flânerie is a format of a public, performative urban walking event, conceptualized and presented by the Amo Collective Berlin. This year, we are once again inspired by the anti-racist, cosmopolitan spirit of the Afro-German Enlightenment philosopher Anton Wilhelm Amo, the new namesake of the former M*straße in Berlin-Mitte. Along this year's route, we will traverse the center of German-Jewish ready-to-wear fashion, pass by Rahel Varnhagen's salon, explore the colonial merchandise trade, delve into traces of GDR history, and engage with the scene of ongoing street renaming struggles. Around AW Amo-Straße, we can immerse ourselves into the entangled histories of expulsions, erasures, and enslavement, as well as migrations, escapes, and liberations: layers that make up the foundation of our postcolonial and postmigrant present.


Deutsche Version:

Geschichten verflechten – Nachbar*innen werden
rund um die AW Amo-Straße
Ein öffentlicher Stadtrundgang



Freitag, 8.9.2023, 17:00 – 19:00
Anton Wilhelm Amo-Salon, c/o Institut für Europäische Ethnologie
AW Amo-Straße (ehemals M*Straße) 40, 10117 Berlin


Unter dem Asphalt in Berlin-Mitte verbergen sich Spuren vieler Geschichten, vieler historischer Schichten. Je tiefer wir graben, desto brüchiger wird die scheinbar glatte, einheitliche Oberfläche der Stadt und rissige Spuren gesellschaftlicher Kämpfe treten hervor: Kämpfe um Freiheit, Zuflucht, Emanzipation, Anerkennung, Beteiligung, wie sie die Menschen hier, rund um die Anton Wilhelm Amo-Straße, seit Aufklärung und kolonialer Moderne, seit den Verbrechen des NS-Regimes und des Holocaust bis in die postkoloniale Gegenwart nach dem ‚Kalten Krieg' bewegen.

Wie lassen sich dekoloniale, konviviale Zukünfte aus dieser Perspektive vergangener, aber keineswegs abgeschlossener Kämpfe neu inspirieren? Was geschieht, wenn wir sie nicht als unverbundene, geschlossene Zeitfenster wahrnehmen, sondern als atmende Erfahrungen, die sich gegenseitig und unser Heute berühren? Können wir Nachbar*innen werden, Nachbarschaften entwerfen, die sich dazwischen aufspannen?

Das Dekoloniale Flanieren ist ein Format des öffentlichen, performativen Stadtrundgangs, zu dem das Amo Kollektiv Berlin in diesem Jahr zum vierten Mal einlädt. Auch 2023 lassen wir uns dabei inspirieren von dem antirassistischen, kosmopolitischen Geist des afrodeutschen Aufklärungsphilosophen Anton Wilhelm Amo, dem neuen Namensgeber der ehemaligen M*straße in Berlin-Mitte. Entlang der diesjährigen Route erwarten uns Entdeckungen im Zentrum deutsch-jüdischer Konfektionsmode, rund um den Salon der Rahel Varnhagen, entlang des kolonialen Warenhandels, inmitten von Spuren der DDR-Geschichte und am Schauplatz anhaltender Straßenumbenennungskämpfe. So öffnet sich an diesem Ort der Stadt eine Perspektive auf die verflochtenen Geschichten der Vertreibungen, Auslöschungen und Versklavungen, der Migrationen, Fluchten und Befreiungen, die den Untergrund unserer postkolonialen und postmigrantischen Gegenwart ausmachen.

Amo Kollektiv Berlin ist eine Gruppe von Studierenden, Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Mitgliedern der Zivilgesellschaft mit Sitz im Amo-Salon, c/o Institut für Europäische Ethnologie, Humboldt Universität zu Berlin. Das Kollektiv ist aus den antirassistischen und dekolonialen Kämpfen um die Umbenennung unserer Straße (M*Straße) nach dem afrodeutschen Aufklärer und antirassistischen Pionier des frühen 18. Jahrhunderts - Anton Wilhelm Amo – hervorgegangen.

Der performative Rundgang findet in englischer Sprache statt. Zum Rundgang wird es ein Begleitheft in deutscher Sprache geben.

Das Projekt Geschichten verflechten - Nachbar*innen werden ist Teil der Initiative DRAUSSENSTADT, gefördert vom Berliner Projektfonds Urbane Praxis sowie von der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaflichen Zusammenhalt.








Relating Histories – Becoming Neighbors is part of the DRAUSSENSTADT initiative, funded by the Berlin project fund Urbane Praxis and the Senate Department for Culture and Social Cohesion.